Forschung
Die Forschung unserer Arbeitsgruppe befasst sich mit zentralen Themen der Arbeitswelt, darunter die Auswirkungen von Arbeitsflexibilität auf Motivation, Leistung und Wohlbefinden. Weitere Schwerpunkte liegen auf Informations- und Kommunikationsüberlastung am Arbeitsplatz sowie auf psychischen Belastungen in der Arbeit.
Neben unseren aktiven Projekten bieten unsere Publikationen einen Überblick über unsere spannenden Themen nah an der betrieblichen Praxis.
Projekte
Die anhaltenden Veränderungen in der Gesellschaft, die durch die Digitalisierung und die Globalisierung vorangetrieben werden, haben zu einer erhöhten Arbeitsflexibilität geführt, insbesondere im Hinblick darauf, wann, wo und wie Aufgaben erledigt werden (Allvin et al., 2013; Eurofound, 2020). Dieser Trend der Arbeitsflexibilisierung, der durch die COVID-19-Pandemie beschleunigt wurde, ist besonders in wissensintensiven Sektoren zu beobachten („Kopfarbeit“ im Gegensatz zu „Handarbeit“). Flexible Arbeit verringert die situativen Zwänge und ermöglicht den Arbeitenden mehr Autonomie bzw. Kontrolle, bringt aber auch die Herausforderung mit sich, dass Aufgaben und Erwartungen weniger klar sind. Diese Veränderungen lassen Ähnlichkeiten zwischen flexiblen Arbeitnehmer:innen und Selbstständigen, die ein ähnlich viel Kontrolle über ihr Arbeitsleben haben, erkennen.
Dieses Forschungsprojekt zielt darauf ab, Lücken im Verständnis der Auswirkungen von Arbeitsflexibilität auf Motivation, Leistung und Wohlbefinden zu schließen, wobei wir uns sowohl auf Angestellte als auch auf Selbstständige konzentrieren. Die Forschung zu den psychologischen Auswirkungen von Arbeitsflexibilität hat gemischte Ergebnisse erbracht, insbesondere was die Auswirkungen auf Leistung und Wohlbefinden betrifft. In früheren Studien wurden Schlüsselfaktoren wie die intrinsische Motivation übersehen. Intrinsische Arbeitsmotivation bezieht sich auf das persönliche Interesse und die Freude an der Arbeit (Gagné & Deci, 2005) und wurde als die wichtigste Art der Motivation für das Wohlbefinden der Arbeitenden hervorgehoben (Van den Broeck et al., 2021). Basierend auf der Theorie der situativen Stärke (Meyer et al., 2010) gehen wir davon aus, dass flexible Arbeitsbedingungen intrinsische Motivation durch mehr Kontrolle fördern, aber auch durch unklare Arbeitserwartungen durch weniger Informationen senken können.
Folglich hypothetisieren wir, dass eine geringere situative Stärke sowohl die Kontrolle erhöhen als auch die Klarheit bei der Arbeit verringern kann, was sich sowohl positiv als auch negativ auf die intrinsische Motivation auswirken kann. Dabei können jedoch persönliche (z.B. Erfahrung) und soziale Ressourcen (z.B. Informationsunterstützung) möglicherweise den ungünstigen Einfluss der Arbeitsflexibilität auf die Unklarheit abfedern. Um diese Hypothesen zu testen, führen wir über eine Laufzeit von drei Jahren fünf Arbeitspakete durch, darunter Interviews, die Entwicklung und Validierung von Fragebögen, eine Längsschnitt-Panelstudie und eine experimentelle Vignettenstudie. Alle Studien richten sich sowohl an abhängig Beschäftigte als auch an Selbstständige.
Das Projekt ist das erste, das die Auswirkungen der Arbeitsflexibilität aus einer Perspektive der situativen Stärke untersucht. Dabei skizzieren wir ein psychologisches Modell der Arbeitsmotivation, das von großer Bedeutung ist um das Erleben von Beschäftigten in einer zeitgenössischen, flexiblen Arbeitswelt zu verstehen.
Daten und Fakten
- Laufzeit: 2025-2028
- Finanzierung: FWF Einzelprojekt
- Projektteam: Christian Korunka (PI), Julia Schöllbauer (Co-PI), Jana Kühnel, Sophie Melzer, Rustin D. Meyer, Ada Sil Patterer, Anja Van den Broeck
Diese Anschubfinanzierung untersucht, inwieweit Transition- und Aktionsphase (vgl. Marks et al., 2001) differentiellen Einfluss in Human-AI Teams in Bezug auf mehrere erfolgskritische teambezogene Verhaltensweisen, das Erleben sowie zentrale Prozesse des intentionalen Vergessens (SPP1921) haben.
Laufzeit: ausgelaufen, 2023-2024
Finanzierung: DFG
Projektteam: Benedikt Graf (PI)
In der heutigen dynamischen Arbeitswelt entwickeln Arbeits- und Organisationspsycholog:innen Lösungen für komplexe organisationale Herausforderungen. Die Tätigen von Arbeits- und Organisationspsycholog:innen erfordern dabei eine gelungene Verbindung von theoretischem Wissen und praktischen Kompetenzen. Viele Masterabsolvent:innen der Arbeits- und Organisationspsychologie in Europa sehen sich jedoch mit einer signifikanten Lücke zwischen ihrer universitären Ausbildung und den Anforderungen der Berufspraxis konfrontiert.
Das Projekt TWOPAC (Training Work and Organizational Psychologists Assessment Reporting Skills) zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen. Dazu werden innovative Lehr- und Trainingsmaterialien entwickelt, die die ganzheitlichen Problemlösungsfähigkeiten von Studierenden gezielt fördern. Der Fokus liegt dabei auf fünf zentralen Bereichen der Arbeits- und Organisationspsychologie: Arbeitsanalyse, Assessment Center, Talentmanagement, Karrieremanagement und psychologische Risikoanalysen. Die entwickelten Materialien werden über eine Online-Plattform zugänglich gemacht und sollen an Partneruniversitäten in ganz Europa eingesetzt werden.
TWOPAC fördert gezielt Kompetenzen, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind. Langfristig wird TWOPAC dazu beitragen, die Unterrichtsstandards in der Arbeits- und Organisationspsychologie zu verbessern und Studierende optimal auf die Herausforderungen der Praxis vorzubereiten.
Daten und Fakten
- Laufzeit: 2024-2027
- Ansprechperson: Arabella Mühl
- Projektleitung: Justis-Liebig Universität Giessen
- Partnerinstitutionen: Universitat Politecnica de Catalunya, Universität Wien, D&D Consultants Group, UAB LearnKey, KoMIT – Kompetenzzentrum Mensch, Innovation & Technik GmbH
- Programm: Erasmus+
Publikationen der Arbeitsgruppe
2026
Graf, B., Beinig, R., Schwickert, S., & Schischke, D. (2026). Consolidation and integration of information overload and communication overload – A theory-based derivation of distinct measurement models and scale development. International Journal of Information Management, 88, Artikel 103045. https://doi.org/10.1016/j.ijinfomgt.2026.103045
Graf, B., Strojny, J., & Conny, H. A. (2026). When information quality amplifies information overload: Moderation effect of information quality on the effect of information quantity on information overload. Computers in Human Behavior Reports. https://doi.org/10.1016/j.chbr.2026.101113
2025
Graf, B. (2025). Sounds good, doesn't work - an experimental study on the dynamic development of trust in digital systems under inconsistent information about developer reputation and system errors. Computers in Human Behavior, 172, Artikel 108736. https://doi.org/10.1016/j.chb.2025.108736
Müller, R., Graf, B., Ellwart, T., & Antoni, C. H. (2025). Is it me or is it us – Effect of agent autonomy on perceptions as a team. Computers in Human Behavior Reports, 19, Artikel 100701. https://doi.org/10.1016/j.chbr.2025.100701
Graf, B., Müller, R., Ellwart, T., & Antoni, C. H. (2025). More or less? Effects of different levels of automation of a software agent on information overload, workload, and stress perceptions. Computers in Human Behavior Reports, 19, Artikel 100727. https://doi.org/10.1016/j.chbr.2025.100727
Xavier, D. F., & Korunka, C. (2025). Integrating Artificial Intelligence across cultural orientations: A longitudinal examination of creative self-efficacy and employee autonomy. Computers in Human Behavior Reports, 18, Artikel 100623. https://doi.org/10.1016/j.chbr.2025.100623
Eberz, S., Letz, M., & Graf, B. (2025). Gefährdungsanalysen psychischer Belastungen–Ein wirksames Führungsinstrument zum Schutz und zur Stärkung der Mitarbeitenden. in Handbuch Führung in der Polizei : Führen von Mitarbeitenden, Dienst-, Studierenden- und Trainingsgruppen sowie Dienststellen, Einheiten und Einsätzen (S. 1-21)
Graf, B., Eberz, S., Gerstmann, J., & Antoni, C. H. (2025). Derivation of interventions in digitalized psychosocial risk assessment—practical report and integration for counselling contexts. Gruppe. Interaktion. Organisation. Zeitschrift für Angewandte Organisationspsychologie (GIO), 56(1), 93-106. https://doi.org/10.1007/s11612-025-00791-7
Mühl, A., & Hartner-Tiefenthaler, M. (2025). Cognitive and Affective Irritation During Times of Crisis: A Latent Change Perspective on Their Differential Relationship With Health, Sleep Quality, and Satisfaction. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 69(2), 1-14. https://doi.org/10.1026/0932-4089/a000441
Mühl, A., Schöllbauer, J., Straus, E., & Korunka, C. (2025). Threatening relatedness while boosting social interactions: The inconsistent effect of daily task ambiguity on daily relatedness satisfaction among remote workers. International Journal of Human Resource Management, 36, 56-79. https://doi.org/10.1080/09585192.2024.2439264